ALLES HAT EINE BEDEUTUNG | 2013

Serie von 9 großformatigen Arbeiten (160 x 110 cm) und 7 kleinformatigen Arbeiten (40 x 30 cm) | Acryl auf Leinwand

Die kleinen Dinge des Alltags faszinieren mich schon immer. Für mich sind es Zeichen, die mir etwas sagen wollen.

Damit meine ich allerdings nicht den Aberglauben, der sich auf schwarze Katzen, aufgestellte Leitern und zerbrochene Spiegel bezieht. Die symbolische Bedeutung eines Eies oder eines Kreuzes meine ich auch nicht. Ich meine die persönliche Relevanz. Was will mir persönlich dieser Wegweiser sagen?

Eine Tür, gegen die ich mich vor kurzem mit aller Kraft gestemmt hatte, wollte einfach nicht aufgehen, obwohl ich es eilig hatte. Eine typische Situation, in der man mit Macht versucht, etwas durchzusetzen. Vielleicht hätte ich nachgeben müssen und vorher das Schild „ziehen“ lesen sollen. Diese Zeichen, die wir wahrnehmen könnten, wären wir nur ein wenig bewusster, diese Zeichen meine ich. Durch sie spricht etwas zu uns, das uns nur erreichen kann, wenn wir offen dafür sind.

Alles hat eine Bedeutung | 2013 | Acryl auf Leinwand | 160 x 110 cm

Auf der Suche nach der alltäglichen Banalität, die trotzdem von Bedeutung ist – ja im kollektiven Bewusstsein ihren festen Platz hat, bin ich auf den Toilettenpapierrollenhalter meiner Schwiegereltern gestoßen. Dieser Gegenstand hat uns durch seine Haptik, sein Geklapper und Gequietsche beeinflusst und uns in unserer Herangehensweise und Haltung der Welt gegenüber von Kindheit an geprägt. Ganz zu schweigen von den semantischen und kognitiven Abgründen die sich auftun, wenn man länger über ihn sinniert. Dieses Bild gibt jedem Umfeld eine ganz neue Bedeutung und hinterfragt alles, was in seiner Nähe ist.

Ein Haufen Steine (Alles hat eine Bedeutung Nr. 4) 2013 | Acryl auf Leinwand | 160 x 110 cm

Drei Bilder mit Steinen habe ich bis jetzt gemalt und jedes war nervenaufreibender als das vorhergehende. Dies hier ist das dritte. Ich habe sage und schreibe drei Wochen daran gearbeitet und habe es immer wieder übermalt. Vielleicht hat diese Anstrengung ja auch etwas mit dem Thema Steine zu tun? Als ich das Foto gemacht habe, das als Vorlage für dieses Gemälde dient, stand meine Schwägerin neben mir. Sie war völlig von den Socken, für was für einen Blödsinn ich mich interessieren würde. Mittlerweile ist sie nicht mehr meine Schwägerin und der Steinhaufen auf Leinwand verewigt. Vermutlich hat das auch eine Bedeutung.

Nicht ganz unschuldig (Alles hat eine Bedeutung Nr. 7) 2013 | Acryl auf Leinwand | 160 x 110 cm

Wie das Licht weich über Seife und Waschbecken strich und dabei einige Wassertropfen aufleuchten ließ, war erstaunlich. Alles wirkte wie aus Marmor gehauen. Obwohl die Seife schief in der Mulde liegt, liegt sie perfekt an ihrem Platz. Die Leichtigkeit dieser perfekten Verbindung wirkt fast wie in einem japanischen ZEN-Garten. Erstaunlich war auch, dass die Wassertropfen nur auf dem Waschbecken waren und nicht auf der Seife

Ursache und Wirkung | 2013 | Acryl auf Leinwand | 160 x 110 cm

In Gedanken ging ich vor mich hin. Als ich über einen Platz kam, schaute ich nach oben und sah auf einem Hoteldach diese Handyantennen. Die glatten technischen Flächen des Dachs und der Antennen spiegelten sich in der Sonne und wurden durch ein, fast lebendiges Gewirr von Kabeln verbunden. Jeder mag ein Handy mit tadellosem Empfang, aber keiner mag Handyantennen. Eigenartig, dass wir den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung so wenig akzeptieren. Dieser kindliche Konflikt zwischen unseren Bedürfnissen und deren Folgen wird normalerweise als naiv bezeichnet. Allerdings nicht in der freien Marktwirtschaft.

Zusammenhänge (Alles hat eine Bedeutung Nr. 5) 2013 | Acryl auf Leinwand | 110 x 160 cm

Viele von uns benutzen täglich öffentliche Verkehrsmittel, die mit Strom „von oben“ versorgt werden. Aber nach oben gesehen haben nur wenige. Kaum jemand interessiert sich für die Energie, die uns bewegt. Auch ich war sehr erstaunt, als ich neulich den Blick hob. In den Oberleitungen unserer Züge werden die Stromleitungen auf Abstand in der richtigen Position gehalten, um die Züge mit Strom zu versorgen. Das Interessante an dieser Komposition ist, man weiß weder was Vordergrund und was Hintergrund ist, noch was mit wem zusammenhängt und was es ist. Aber man ahnt, dass alle Teile etwas miteinander zu tun haben und dass kein Teil fehlen darf.

Ziehen | 2013 | Acryl auf Leinwand | 160 x 110 cm | •

Diese Tür, gegen die ich mich vor kurzem mit aller Kraft gestemmt hatte, wollte einfach nicht aufgehen, obwohl ich es eilig hatte. Eine typische Situation, in der man mit Macht versucht, etwas durchzusetzen. Vielleicht hätte ich nachgeben müssen und vorher das Schild „ziehen“ lesen sollen. Doch mit meinen Gedanken war ich schon hinter der Tür, bei dem einladenden Sonnenlicht und dem langen dunklen Gang, der mich zu meinem Ziel führen sollte. Meine Vorstellung führte mich, doch die Realität bremste mich. Das Gefühl kannte ich nur zu gut.

Der Haken (Alles hat eine Bedeutung Nr. 6) 2013 | Acryl auf Leinwand | 160 x 110 cm

Ich habe diesen Klebehaken entdeckt, der sehr ordentlich auf eine kleine Fliese geklebt war. Mir gefiel der Versuch, das Runde ins Eckige zu bekommen. Die ganze Welt spiegelt sich in diesem kleinen, verchromten Ding, allerdings ist diese Welt, die Gästetoilette, nicht besonders groß. Was mir aber erst bei näherer Betrachtung auffiel, war die phallische Form. Ich werde wohl nie wieder unbedarft ein Handtuch an einen Haken hängen können. Eine ganze Welt bildet sich in einem, ordentlich in ein Quadrat geklebten, Miniatur-Phallus einer Gästetoilette ab. Manche Bedeutungen sind wirklich schwer zu verstehen.

Gehorsam | 2013 | Acryl auf Leinwand | 160 x 110 cm

Eigentlich war ich auf der Suche nach einem 60er-Jahre Türspion aus gelblichem Plastik, doch die scheint es nicht mehr zu geben. Dann fand ich diesen hier. Es könnte auch das Überwachungsauge eines Raumschiff-Bordcomputers sein. Wer den Film 2001 kennt, weiß was ich meine. Erst habe ich mich gar nicht getraut, ihn zu fotografieren. Hinter der Tür waren Stimmen zu hören. Beim ersten Foto blitzte ich aus Versehen und die Stimmen verstummten. Als sie wieder anfingen, wagte ich ein zweites Foto ohne Blitz. Ich fühlte mich, als ob ich etwas Verbotenes mache und dabei beobachtet werde. Ich traue mich nicht einmal eine Tür von außen zu fotografieren. Erstaunlich, dieser vorauseilende Gehorsam.

Nach oben (Alles hat eine Bedeutung Nr. 2) 2013 | Acryl auf Leinwand | 160 x 110 cm

Bei der Erkundung, was uns alltägliche Dinge sagen wollen, fiel mir dieser Aufzugrufknopf auf. Er ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit, aber er ist uns trotzdem sehr vertraut. Interessant an diesem Knopf ist, dass er nur in eine Richtung zeigt, nach oben. Außerdem ist er fast etwas provisorisch in die Fuge zwischen den Marmorplatten geschraubt. Auch würde man heute die Schrauben besser setzen oder kaschieren. Der Pfeil auf dem Knopf sieht ein wenig aus wie das Logo des Raumschiffs Enterprise. Vielleicht ist es gar kein Aufzug und man hört gleich Captain Kirk sagen: „Beam me up, Scotty!“. Schade ist nur, dass dieser Aufzug seit Jahren kaputt ist.